Sind die großen Marken eine Gefahr für die Champagne?

Champagner: Gefahr für die großen Marken

Michael Pech

Kommen die großen Champagner Marken nun in Bedrängnis?

Eric Rodez und Philipp Schäffer im Gespräch. “Die Champagne ist in Gefahr!”

Ein Umbruch ist im Gange: Vor allem in den Top-Restaurants werden die großen Champagnermarken verdrängt von kleinen Winzer-Champagnern. Für den Gast bedeutet das eine neue Authentizität, die aber noch verkauft werden muss.

Es war das Gespräch mit dem großen Eric Rodez, das in Erinnerung blieb: Die Champagne laufe Gefahr ihre Identität zu verlieren, sagt er. Und Rodez ist eine Größe in der Champagne. Seine Worte haben Gewicht. Einst war er Chefblender für die Champagnermarke Krug, bei der er für die Grand Cuvée zuständig war. Seit Ende der 80er produziert er als leidenschaftlicher Anhänger der Biodynamie aber nun schon seinen eigenen Champagner. Zudem ist Rodez Bürgermeister von Ambonnay. Es gibt wohl keinen anderen, der sich wie er stark macht für die Region und versucht das Image und die Qualität im Weinbau der Champagne voranzutreiben.

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Seit Jahrzehnten ist die Champagne fest in Hand der großen Marken. Und mit ihr die Weinbauern der Region. Sie haben die Trauben für die großen Häuser produziert und an diese verkauft. Mehr Ertrag bedeutet mehr Geld. „Wir ernten jedes Jahr immer mehr Trauben und gefährden damit die Qualität jenes Produktes, von dessen Renommee unser aller Fortbestand abhängt“, klagt Rodez. Was verloren geht, das ist die Vielfalt und die Authentizität der Champagne. Alles schmeckt gleich und genau das könne für die Champagne am Ende sogar den Untergang bedeuten.

Es entsteht eine neue Vielfalt und eine neue Qualität

Rodez ist mit seiner Meinung nicht alleine. Das konnte ich bei meiner Verkostungstour durch die Champagne erleben. Aber: Immer mehr kleine Winzer lösen sich von den Verträgen mit den großen Marken und beginnen, ihren eigenen Champagner zu produzieren. Es entsteht eine neue Vielfalt und vor allem eine neue Qualität.

Ein Geheimtipp höchster Klasse: Bénédicte Ruppert und Emmanuel Leroy.

Ein Paradebeispiel für diesen Umbruch ist der Weinbauer Olivier Collin (Ulysse Collin), der seinen Vertrag mit Pommery löste und sogar einen Rechtsstreit in Kauf nahm, um seinen eigenen Champagner produzieren zu können. Collin ist ein Qualitätsfanatiker. Schon seine Grundweine, die er zu 100 Prozent in Eichenfässern ausbaut, sind fantastisch. Genau diese penible Arbeit im Weingarten und der Mut zur Gelassenheit im Weinkeller zeichnet diese Art von Winzern aus. Einer der Vorreiter, der in der Champagne schon lange seinen eigenen Weg geht, ist natürlich Francis Egly (Egly-Oriet) – biodynamisch im Weingarten und auch im Keller. Bis zu 9 Jahre hat der Champagner Zeit auf der Feinhefe zu liegen, ehe er degogiert wird.

Das kompromissloseste, das ich aber gesehen habe, war Ruppert-Leroy: ein absoluter Newcomer-Winzer aus Aube. Seit 2014 ist der Betrieb Demeter zertifiziert. Das Arbeiten mit und in der Natur wird über alles andere gestellt. Auf ihrem Anwesen finden sich Ställe mit Pferden, Kühen, Schweinen und Hühnern. Der Dünger wird selbst gemacht, die Weingärten strotzen vor Leben und Energie. Qualität, die sich natürlich im Champagner bemerkbar macht.

Winzerchampagner mit Storytelling verkaufen

Blickt man heute in die Weinkarten der Top-Häuser oder angesagten Weinbars, so zeigen diese auch ein Abbild des Umbruchs in der Champagne. Die großen Marken verschwinden zusehends von den Karten und lassen Platz für die neue Vielfalt an Winzer-Champagnern.

Bertrand Gautherot (Vouette et Sorbée): “Für mich ist Biodynamie eine Selbstverständlichkeit.”

Aber natürlich muss man diese Champagner im Restaurant auch noch an den Gast bringen. Und hier haben sich die großen Champagnerhäuser mit Millionen schwerem Marketing-Etats in den Jahrzehnten natürlich einen klingenden Namen gemacht. Champagner gilt noch immer als Prestige-Getränk und viele Namen verkaufen sich wie von selbst. Deshalb ist es gerade bei den Winzer-Champagnern wichtig, viel Hintergrundwissen zu haben. Storytelling ist hier das Zauberwort. Wer die Philosophie und die Geschichten rund um diese aufstrebenden Winzer der Champagne kennt, am besten sogar vor Ort erlebt hat, der kann das Produkt mit Leidenschaft an den Gast bringen und so ausgetretene Pfade verlassen. Preislich beginnen diese Champagner bei einem Gastroeinkaufspreis von unter 30 Euro netto, was sie für den Verkauf super kalkulierbar macht.

Und was der Gast dafür in das Glas bekommt, ist Authentizität pur. So beschreibt das etwa auch Bertrand Gautherot (Vouette et Sorbée). Wer mit ihm in seine Weingärten hinaufsteigt, kann das an gesunden Reben und vitalem Boden sehen. Biodynamie ist eine Selbstverständlichkeit für Bertrand. Und wie auch Eric Rodez gilt er als großer Förderer der Jungen, die es den neuen „Rising Stars“ nachmachen und fernab vom Einheitsbrei ihre eigenen Champagner produzieren.

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