Warum dieser Sommelier seinen KollegInnen ein eigenes Buch widmet

So setzt Silvio Nitzsche der deutschen Sommelerie ein Denkmal

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74 Leuchttürme für die Branche

Selbst zählt Silvio Nitzsche zu den Größen der Branche – nun hat er ein Buch herausgegeben, das auf 378 Seiten 74 Kolleginnen und Kollegen vorstellt.

„Irgendwie ist es auch ein Buch gegen das Vergessen“, sagt Silvio Nitzsche, Mastermind der Dresdner „WeinKulturBar“ und neuerdings Buchherausgeber. „Wir erinnern uns an die Köche, die unsere Branche geprägt haben – Witzigmann, Winkler, Wohlfahrt, Müller und all die anderen. Aber die Größen der Sommelerie geraten in Vergessenheit, über sie gibt es kaum Aufzeichnungen.“ Bis jetzt.

Auf 378 Seiten listet Nitzsche nun selbst das Who-is-who der Branche auf – und zwar in launigen Eigenporträts von – von Paula Bosch bis Gerhard Retter. Jede Sommelière und jeder Sommelier gibt Einblicke in sein Schaffen mit Antworten auf insgesamt 45 Fragen. Die meisten beantworten diese Fragen handschriftlich, was dem Buch einen sehr persönlichen Charakter gibt.

 

Zum Vergrößern: Klicken. Antworten von Paula Bosch.

Gedruckt wurden 2000 Stück des Werkes, finanziert hat dieses sehr wichtige Projekt für die Sommelerie die „Schlumberger Vertriebsgesellschaft“. Ab sofort bekommt nun jeder neue Sommelier-Absolvent in Deutschland dieses Buch als Geschenk. Nitzsche: „Jede und jeder der Porträtierten ist ein Leuchtturm für unsere Branche. Die Jungen wissen heute gar nicht mehr, wer die großen Vorbilder sind. Die alten Meister, die gibt es nicht mehr. Und diese Vorbilder fehlen. Das Buch soll die Jungen auch animieren, diesen tollen Beruf zu ergreifen.“

Die meisten Porträts hat Nitzsche übrigens selbst fotografiert. „Ich habe auf der ProWein und auf der Mainzer Weinbörse fotografiert, drei Bilder sind in Berlin entstanden. Da ich aber nicht alle Somms, die ins Buch sollten, erwischt habe, gibt es auch einige Aufnahmen von anderen Fotografen. Bei meinen Bildern habe ich dann übrigens nicht immer das schönste Foto rausgesucht, sondern das, was den oder die Somm am besten reflektiert.“

Die meisten der Porträts hat Silvion Nitzsche selbst fotografiert. Hier: Vendome-Sommelier Marco Franzelin.

Obwohl erst vor wenigen Wochen präsentiert, ist die Auflage bereits komplett vergriffen. Eine Neuauflage strebt Nitzsche nicht an. „Es soll kein Kommerz daraus werden. Ich wolle den Anschub geben. Jetzt sehen wir einmal, was daraus entsteht.“

Ein Großer der Branche fehlt übrigens im Buch: Silvio Nitzsche selbst, der ja Anfang der 2000er Jahre bei Dieter Müller als einer der besten Sommeliers Deutschlands galt. „Nein, selbst wollte ich nicht drin sein. Selbstlob liegt mir nicht.“ Charmant und zurückhaltend – ein Sommelier der „alten“ Schule eben.

Hier 2 Leseproben (Paula Bosch, Marco Franzelin)
Marco_Franzelin1
Paula_Bosch1


Silvio Nitzsche: SOMM
Eigenportraits der bemerkenswertesten Weinkellner,
Mundschenke, Sommeliers Deutschlands.
378 Seiten, Eigenverlag

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