Esterhazy: Traditionsweingut will zukünftig auf Bio setzen

Esterhazy: Traditionsweingut will zukünftig auf Bio setzen

Der neue Verkaufsleiter Bernd Demmerer im Interview.

Demmerer: Terroir ist wichtig und nicht das Einwirken im Keller

Seit 1. Dezember ist er der neue Verkaufsleiter am Weingut Esterhazy: Für Bernd Demmerer ist der neue Job ein Zurückkehren zu alten Wurzeln und gleichzeitig ein Neustart mit vielen Ideen. Eine davon ist es, Esterhazy zu einem Bio-Weingut zu machen.

Von Esterhazy zu Morandell und nun als Verkaufsleiter wieder zurück – das klingt zunächst einmal ungewöhnlich. Wie kam es dazu?
BERND DEMMERER: Mein Herz hängt ganz einfach an diesem Weingut. Das wusste ich immer. Der Schritt zu Morandell passierte dann vor allem aus einer privaten Überlegung heraus – ich wollte mehr Zeit für meine Familie haben. Und so professionell und spannend das Unternehmen Morandell auch aufgebaut ist, in der Rolle des breiten Sortimentsverkäufers habe ich mich nicht wiedergefunden. Als mich dann der Stiftungsvorstand von Esterhazy kontaktiert und mir den Job des Verkaufsleiters angeboten hat, konnte ich nur zusagen. Vor allem weil wir das Weingut nun auf die nächste Ebene führen wollen.

Demmerer: “Das Um und Auf ist die ehrliche Arbeit im Weingarten.”

Und wie lauten diese zukünftigen Ziele?
BERND DEMMERER: Eines unserer größten Vorhaben wird es sein, dass wir das Weingut Schritt für Schritt auf Bio heranführen wollen. Esterhazy zählt mit seinem Landgut „Pannatura“ ja bereits zu einem der größten Bio-Betrieben des Landes. Da ist die biologische Bewirtschaftung des Weinguts nun der nächste logische Schritt. Schon jetzt arbeiten wir so naturnah wie nur möglich, aber wir wollen ganz einfach mehr. Und dann geht es selbstverständlich auch darum, die positive Imagearbeit der vergangenen Jahre weiter voranzutreiben und am heimischen Markt noch präsenter zu sein und auch im Export zuzulegen. Schöpfen können wir schon jetzt aus dem Vollen, alle Weingärten – inzwischen gute 90 Hektar – stehen mittlerweile voll im Ertrag.

Ein Blick in den Esterhazy-Weinkeller: Die Keramikeier für die Fermentation der Leithaberg-Weine Chardonnay und Blaufränkisch.

Wie hat sich das Weingut Esterhazy aus deiner Sicht in den vergangenen Jahren gewandelt?
BERND DEMMERER: Wir haben sicher eine lange Experimentierphase hinter uns, vielleicht sogar länger als das üblich ist – aber gut Ding braucht Weile und die Authentizität der Esterhazy-Weine trägt nun eine klare und wiederzuerkennende Handschrift. Unsere Weine stehen vor allem für das Terroir und nicht für die Möglichkeiten, mit denen man auf den Wein im Keller einwirken kann. Als größter Produzent des Leithabergs und als traditionelles Weingut sehen wir es auch als unsere Pflicht an, die Typizität des pannonischen Raums mitzutragen.

Wie wichtig ist dabei die Sommelerie als Partner?
BERND DEMMERER: Ein Sommelier oder eine Sommelière sind die perfekten Botschafter für unsere Idee. Also ist die Sommelerie natürlich ein ganz wichtiger Partner. In Österreich sind wir vor allem im Westen sehr stark in der Sommelerie verankert, aber auch im Osten in immer mehr Betrieben gelistet. Aber Listungen alleine sind natürlich nicht ausschlaggebend. Wir arbeiten täglich daran spannende Weine zu produzieren und damit auch die Sommelerie zu überzeugen. Die Weine sollen ausgeschenkt werden und den Gästen Freude bereiten. Das ist am Ende das Ziel.

Breites Portfolio mit der Konzentration auf Chardonnay und Blaufränkisch.

Wie siehst du die internationale Entwicklung des österreichischen Weins?
BERND DEMMERER: Global betrachtet spielt sich das natürlich im Promillebereich ab. Und trotzdem: Der österreichische Wein wird in aller Welt mit Qualität verbunden. Aber wir müssen das bei allem Stolz auch nüchtern sehen – für die meisten bleibt der Export ein Nullsummenspiel. Da sind wir einfach zu klein. Hast du von einem Wein weniger als 40.000 Flaschen, ist das für den Weltmarkt kaum von Relevanz. Andererseits liegt ja die Stärke unseres Weinlandes genau im Kleinen, die vielen Winzer, die herausragende Weine produzieren, geben dem Land ihr Image. Auch und vor allem international. Davon profitieren am Ende alle.

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