Blauarsch, Milch und das bessere Jura: Die Sommelier-Tipps für 2019

Blauarsch, Milch und das bessere Jura: Die Sommelier-Tipps für 2019

Diese Weine werden eure Gäste 2019 begeistern

Welche Winzer muss man 2019 am Radar haben? Welche Weine sind in diesem Jahr besonders spannend? Wir haben mal durchgefragt. Hier die zum Teil überraschenden Antworten der Top-Sommeliers.

Emmanuel Rosier (Windischgrätzhöhe, Bad Gastein): Trinkt mehr vom Weingut Milch

Schaut euch einmal das Weingut Milch in Rheinhessen an bzw. kostet euch durch oder noch besser: Fahrt hin! Fantastisches Zeug! Mein Liebling: Chardonnay aus der Lage Blauarsch. Ja, richtig gelesen! „Im Blauarsch“ ist eine Gewanne in der Einzellage Monsheimer Silberberg. Auf kalksteinhaltigem Tonboden wächst neben dem Chardonnay auch Grauer und Weißer Burgunder.

Was ihr auch im Blick haben solltet: Weingut Hermann Ludes, Mosel. Er ist seit Jahrhunderten in den großen Lagen der Mittelmosel heimisch. Hier vermag er seine Stärken voll auszuspielen und die hier gewachsenen Weine bestechen durch Fruchtigkeit, Komplexität und ein unvergleichliches Süß/Säure-Spiele.

Schwört auf Milch: Emmanuel Rosier.

Markus Gould (Heunisch&Erben, Wien): Savoyen ist besser als Jura

Falstaff Karriere/Ian Ehm

Was viele vielleicht noch nicht am Radar haben: Grabenwerkstatt im für mich spannendsten Teil der Wachau: Gegründet erst 2014 – Biodynamische Prinzipien spielen hier ebenso eine Rolle wie die akribische Auseinandersetzung mit jedem einzelnen Rebstock, Handarbeit und der Versuch, dem Geist des Ortes auf die Spur zu kommen. Generell immer spannend ist Leithaberg, für mich vor allem durch die Winzer Gernot Heinrich und Georg Prieler. Auch immer ein Tipp: Martin und Anna Arndorfer und natürlich Franz Weninger.

Und international bekommt ihr von mir für 2019 folgende Tipps: Spanien: Verdejos von Pagos de Nona – extrem charaktervoll und facettenreich (Lagen getrennt) und Fedellos do Couto – nicht gross, aber lustig und immer besser!

Italien: Aldo Viola in Sizilien wird immer besser (Rebberge zum Teil noch recht jung).

Deutschland: Kai Schätzel in Rheinhessen.

Frankreich: Savoyen als Ganzes! Finde ich immer noch spannender als Jura, Prieure St. Christophe / by Giachino at the beginning.

Der Tipp aus Italien: Aldo Viola.

Steve Breitzke (MAST Weinbistro, Wien): Ungarn ist im Kommen

Falstaff Karriere/Ian Ehm

In Österreich ist für mich Johannes Zillinger einer der spannendsten Winzer derzeit. Irrsinnig feine Wein – von der VELUE-Linie zum Einstieg bis hin zu der sehr ausdrucksstarken NUMEN-Serie.

International empfehle ich, noch stärker den Blick auf Ungarn zu haben. Was sich da bei Blaufränkisch, Cabernet Franc und vor allem bei Furmint tut, ist fantastisch. Zum Beispiel die Sopron-Weine von Franz Weninger oder natürlich Attila Homonna! Außerdem immer ein Tipp: die Kanarischen Inseln.

Schon länger auf der Watchlist – 2019 umso mehr! Die Weine von Attila Homonna aus Ungarn.

René Antrag (Steirereck im Stadtpark, Wien): Puristische und authentische Weine

Falstaff Karriere/Ian Ehm

Markus Altenburger! Gut, Geheimtipp ist Markus natürlich keiner mehr, aber die Entwicklung ist umso beachtlicher. Sein Weg, die Weine noch puristischer und authentischer auszubauen, begeistert mich. Blaufränkisch Gritschenberg 15 oder Grüner Veltliner Ladisberg 2016 sind schon jetzt ein Hammer. Müsst ihr probieren!

2019 wird sein Jahr: Markus Altenburger (Leithaberg).

Willi Schlögl (Freundschaft, Berlin): Der „Chablis“ aus Österreich

Ingo Pertramer

Ein super Tipp ist das Weingut Straka in Rechnitz, sozusagen die Weißweininsel des Südburgenlandes, vor allem aufgrund der etwas höheren Lage und kühlen Winde in der Nacht. Thomas Straka ist ein Meister des Welschrieslings – eine Sorte, die noch immer sehr unterschätzt wird. Wenn man sie anständig behandelt, bekommt man Chablis ähnliche Erzeugnisse – filigran und elegant. Beeindruckend für mich sind vor allem seine Weine aus der Lage Prantner.

Thomas Straka: Sein Welschriesling ist laut Willi Schlögl eine Offenbarung.

Thomas Juranitsch (Restaurant Silvio Nickol – Coburg, Wien): Furmint als Gebot der Stunde

Vor der Reblaus war es eine geniale Rebsorte und einigen Winzern ist es zu verdanken, dass Furmint wieder zu seiner alten Stärke findet. Für mich ist es Michael Wenzel, der das derzeit vielleicht am spannendsten macht. Seine Weine sind straff und präzise. Solltet ihr 2019 jedenfalls auf eurer Weinkarte haben.

Sonja Priller - www.sonjapriller.com
Beherrscht den Furmint: Michael Wenzel.

Philipp Schäffer (Schäffers Selektion Feiner Weine, Graz): Weine von Weltformat in No-Name-Region

Domaine Les Poëte! Die beiden Appellationen Quincy und Reuilly stehen im übermächtigen Schatten der beiden berühmten Regionen Sancerre und Pouilly Fumé. Dank Guillaume Sorbe ist diese vorherrschende Meinung nun im Umbruch. Er produziert in dieser absoluten No-Name-Region Weine von Weltklasse Format. Sauvignon Blanc, Pinot Gris und Pinot Noir mit Rücksicht auf Herkunft, Lage und Bodenbeschaffenheit. Man sollte diesen Mann unbedingt im Blick behalten. Er steht erst am Anfang und wir können noch Großes von ihm erwarten!

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